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Der Überblick 5/2009

Stolz und majestätisch hebt sich das Wittenburger Rathaus aus dem idyllischen Ensemble des Marktplatzes, auf dem Bauwerke aus den verschiedenen Jahrhunderten auf ganz besondere Weise miteinander harmonieren, hervor. Ohne Zweifel ist der Bau das Schmuckstück des Platzes. Von den Einheimischen geliebt, von den Gästen bewundert. Das liegt sicherlich zum einen an dem für eine mecklenburgische Kleinstadt ungewöhnlichen Baustil und zum anderen an dem berühmten Baumeister Georg Adolf Demmler – Schweriner Schlossbaumeister und Hofbaurat. Ganz gewiss wird manch ein Wittenburger Bürger im Jahre 1851/52 mit Skepsis das Wachsen dieses Gebäudes im modernen neogotischen Stil beobachtet haben. Gab es doch in der Stadt zu damaliger Zeit kleingliedrige ein- und zweigeschossige Häuser, meist in Fachwerk oder Ziegel gemauert. Nun solch ein gewaltiger Putzbau! Das Äußere und Innere des reizvollen Gebäudes spiegelt den demokratischen Zeitgeist einer aufstrebenden Epoche wider. Die feierliche Einweihung des Rathauses fand am 7. Januar 1853 im großen Ratssaal statt. Eindrucksvoll reckt dieser sich mit einer Höhe von ca. sieben Meter über zwei Etagen. Kaum ein anderes mecklenburgisches Rathaus kann Ähnliches vorweisen. Leider erfolgten im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Umbauten. Sie ließen die Ursprünglichkeit nur noch erahnen. So fiel auch der imposante ritterähnliche Saal der aufkommenden Verwaltung für die Gewinnung weiterer Büroräume zum Opfer.Die 1998/99 durchgeführte umfassende Sanierung des Rathauses stellte die Architekten vor eine riesige Herausforderung, funktionelle Nutzungsmöglichkeiten, denkmalpflegerische Aspekte und originale Raumstrukturen neu in Einklang zu bringen. Obwohl technisch modern ausgestattet, zum Beispiel mit behindertengerechten Zugängen sowie Aufzügen, sind viele historische Details erhalten geblieben. Das Wittenburger Rathaus ist ein gutes Beispiel einer Sanierung im Rahmen der Städtebauförderung. Es zeigt im Resultat eine gelungene Kombination aus historischer Bausubstanz und modernen Ansprüchen.Selbst der Altbaumeister Demmler, der bei der stimmungsvollen Wiedereinweihungsfeier am 7. Juni 1999 überraschend die symbolische Schlüsselübergabe des Architekten Kessler an den Bürgermeister Hebinck unterbrach, konnte sich eines lobenden Urteils nicht entziehen. Auch sein einstiges demokratisches Anliegen, einen großen Raum für die Bürgerversammlung zu schaffen, um den herum die Verwaltungsräume gruppiert sind, wurde in beeindruckender Weise originalgetreu wiederrealisiert.Als wenn Stadtoberhaupt Norbert Hebinck mit dem Erscheinen Demmlers (natürlich ein Schauspieler) gerechnet hätte, war er gewappnet mit einem kleinen Stadtsäckel mit Talern, mit dem er den Baumeister versöhnte. Denn Demmlers Erinnerungen an den Rathausbau waren nicht immer die besten. Erst sieben Jahre nach der Fertigstellung des Baus erhielt er vom damaligen Magistrat sein Honorar. Weitere kuriose Begebenheiten gibt es heute noch darüber zu erzählen. Wenn Ihr Interesse geweckt ist, für einen Besuch in unserem Rathaus - es lohnt sich in jedem Fall.

Schlagzeilen zur aktuellen Ausgabe:

  • Arbeitshilfe für konstituierende Sitzungen
  • Neues zur Sozialversicherungspflicht der ehrenamtlichen Bürgermeister
  • Breitbandversorgung ländlicher Raum – Erste Zuwendungsbescheide zugestellt
  • Steuerausfälle der Städte und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern durch die Wirtschafts- und Finanzkrise
  • Niedrigste Kreisumlage pro Einwohner 2009 im Landkreis Müritz
  • OVG Greifswald: Nutzungsuntersagung einer Dauerwohnnutzung